Morgen ist der Tag des geistigen Eigentums, wie ich gerade der Tageszeitung entnahm. Der „Süddeutschen Zeitung“, um genau zu sein. Da steht nämlich ein großer offener Brief drin, ein Brief, so offen und groß wie die ganze große SZ. Ein Brief an die Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel. In dem großen offenen Brief wird die Bundeskanzlerin mit großen offenen Buchstaben aufgefordert, endlich was zum Schutz geistigen Eigentums und gegen illegale Musik-, Film- und sonstige ergaunerte Downloads zu unternehmen. Unterzeichnet ist der Brief von einer seltsamen Koalition aus Film-, Musik- und sonstigen Künstlern. Micki Krause zum Beispiel ist dabei, bekannt durch seinen Malle-Knaller „10 nackte Friseusen“, den er seit Jahren im Biererlebnispark vor den Toren vom Palma de Mallorca singen muss, weil der Tonträger mit dem Lied drauf nicht genug Geld abwirft – da er massiv raubkopiert wird.
Barbara Schöneberger hat auch unterschrieben, eine Frau, der man beim Zappen durch die Fernsehprogramme garantiert nicht entgeht. Egal, wo man hin zappt, Barbara Schöneberger ist schon da. Und jetzt singt sie auch noch und nennt ihre Platte und die Tour sogar so. Sie singt übrigens Lieder über Männer und Frauen, getextet vom selben Texter, der auch Annette Louisan (hat den offenen Brief auch unterschrieben), Roger Cicero und Ina Müller mit „Inhalten“ versorgt. Also: vier Goldkehlchen singen die thematisch immer gleichen Lieder eines einzelnen Mannes. Kann man das nicht auch irgendwie mit dem Begriff „Kopie“ in Verbindung bringen? Wie auch immer. Leider kann man das, was als geistiges Eigentum bezeichnet wird, nicht mehr schützen. Diese Zeiten sind, seit es CD-Brenner gibt, unwiderruflich vorbei. Das ist das eigentliche Problem. Kein Zweifel, dass die illegalen Musikdownloads aus dem Internet zunehmen. Kein Zweifel auch, dass die auf einer CD enthaltene Musik privat kopiert wird. Und dies kann niemand kontrollieren. Ich würde sogar wetten, dass in viel stärkerem Maße kopiert als runter geladen wird. Man muss nur mal in das CD-Regal eines 14jährigen gucken, um zu sehen, dass da keine einzige original CD drin steht, sondern ausschließlich gebrannte Scheiben, deren Booklet natürlich säuberlich farbkopiert und mit höchster Bastelpräzision ausgeschnitten und eingepasst wurde. „Ich brenn dir die Scheibe mal“ ist ja zum geflügelten Wort geworden. Kein Zweifel auch, dass sich die Hersteller von CD- und DVD-Rohlingen längst eine dicke goldene Nase verdient haben. Es ist also Mumpitz, hier die Weiche wieder umstellen zu wollen. Geistiges Eigentum lässt sich heutzutage nicht mehr schützen. Basta. Der beste Schutz geistigen Eigentums ist, das geistige Eigentum Eigentum sein zu lassen und es gar nicht erst zu veröffentlichen. Dann ist es geschützt. Besser geht’s nicht. Aber: was soll das Zeug in der Schublade? Der Künstler und die Künstlerin wollen sich doch für ihre töften Ideen feiern lassen. Also wird es doch produziert. Und hier muss man heute kreativ sein. Man muss versuchen, seine in welche Richtung auch immer zielenden geistigen Ergüsse so schnell wie möglich so gut wie möglich zu vermarkten, um das Geld, was man in die Produktion dieses geistigen Eigentums investiert hat, einigermaßen wieder zurück zu bekommen. Durch den Verkauf dieses geistigen Eigentums auf Tonträgern oder Bildträgern oder Bild- und Tonträgern häuft man heute keinen Reichtum mehr an. Bedanken wir uns bei der Firma Phillips und dem von ihr erfundenen CD-Brenner. In weiser Voraussicht trennte sich diese Firma vor einigen Jahren, als der Brenner dann in Serie produziert wurde, ja von ihrer Plattenfirma Phonogram. Man wusste also damals schon, wohin die Reise geht. Nicht wenige weigern sich aber bis heute, die Realität anzuerkennen. Aber zurück zum Masterplan: ein bisschen was kann man noch durch die eigene Interpretation des eigenen geistigen Eigentums auf irgendeiner staubigen Bühne herausschlagen. Oder aber durch Mehrfachverwertung einer Idee in Schrift, Wort oder Lied. Dazu ein Hinweis: wer mich in den nächsten Wochen in der TV-Sendung „Nightwash“ etwas sagen hört, dass er auch schon in der heute erscheinenden Titanic Nr.5/ 2008 auf der Seite 10 (Christina Stürmer) gelesen hat, der kann so laut wie er will, schreien „Das hat der aus der Titanic, das ist nicht von ihm!“ Es wird nix nützen. Die Titanic hat’s nämlich – von mir. Und für den bald überwiesenen Gegenwert gehe ich mir heute schon mal ein schönes Porsche Cabrio kaufen. Damit lässt es sich nämlich besonders gut durch München gurken, wo ich mich gerade aufhalte. Heute Abend übrigens interpretiere ich mein geistiges Eigentum im Kulturzentrum der Messestadt Riem, Erika Cremer-Str. 8, drittes Obergeschoss. So, wie ich meinen Bekanntheitsgrad einschätze, gibt es noch Restkarten. Und davon nicht wenige.








Kommentare (7)
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Manches ändert sich halt doch nicht. Also nicht so ganz.
Musik und Radio über Handy zu hören, ohne dabei Kopfhörer zu benutzen, ist eh paradox. Da lädt man sich die Sachen in feinster digitaler Auflösung, mit perfektem Sound, auf das Gerät, um es dann in minimalster Leistung, ohne Bässe, Höhen und verzerrter Qualität abspielen zu lassen. Was waren wir damals noch revolutionär mit unseren haushohen und tribünenbreiten Ghettoblastern auf der Schulter tragend. Gute alte Zeit *sfz*
Einige - mehr oder minder bekannte - Künstler haben sich mit einem offenen Brief an das Bundesmerkel gewandt. Sie bejammern dort in erster Linie das böse Internetz und die noch böseren Gratishörer bzw. -seher ihrer geistigen Ergüsse und bitten die...
Von einigen der unterschreibenden Künstler bin ich enttäuscht - sofern diese nicht nur auf Druck der Plattenindustrie unterzeichnet haben. Denn nun wieder das böse Internet kriminalisieren zu wollen, dass zeugt in meinen Augen eher von Realitätsferne.